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Kendra Stenzel ist bereits seit einigen Jahren beim „Kölner Stadt-Anzeiger“; zuletzt hat sie als Verantwortliche Redakteurin unter anderem den fortschreitenden Digitalisierungsprozess des Kölner Stadt-Anzeiger begleitet und aktiv mitgestaltet. Seit dem 1. Juni ist sie nun Leiterin des Newsrooms und damit verantwortlich für den Nachrichtenfluss der digitalen Angebote von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“. Dazu ist sie mit dem Team mittendrin im Nachrichtengeschehen - 365 Tage im Jahr von frühmorgens bis in die Nacht. Das wohl wichtigste Thema in diesen Tagen? Die Hochwasserkatastrophe.

Viele stellen sich die Leitung einer Redaktion vermutlich immer noch mit einem sehr klar definierten Aufgabenprofil vor: Themenplanung, Koordinierung, Textarbeit, Mitarbeiterführung. Klassisch, „straight forward“. Und natürlich gehört all das noch dazu. Doch der Job ist längst um einiges vielschichtiger, gerade im Newsteam. Das ist es, was ihn so spannend macht.

Das Newsteam bildet den digitalen Kern unserer Redaktionen. Als Verantwortliche Redakteurin hatte ich den Großteil der „klassischen“ Aufgaben dort schon in den vergangenen Jahren mit im Blick, während wir die Gesamtredaktion immer stärker digital ausgerichtet haben. Was diese Ausrichtung bedeutet, kann man aktuell im Zuge der schrecklichen Flut-Auswirkungen sehr gut sehen. Während zum Beispiel der WDR in der ersten Nacht der Katastrophe weitgehend still war, hat unser Newsteam eine Nachtschicht eingelegt, umfänglich informiert, die Weichen für die kommenden Tage gestellt und ksta.de damit als wichtigste Informationsquelle für zahlreiche Menschen in der Region etabliert. Blogs, Podcasts, Video-Talks, Grafiken, Hintergründe, Reportagen, Service: Die tägliche enge Abstimmung zwischen Kolleginnen und Kollegen aller Ressorts selbst unter schwierigsten Bedingungen und das gemeinsame Verständnis dafür, dass die Digitalkanäle die erste Anlaufstelle für Leserinnen und Leser sind, sorgen dafür, dass wir seit mehr als einer Woche auf neue Entwicklungen sehr schnell reagieren und sauber und umfänglich Informationen in den optimalen Formaten vermitteln können. Die hohen Zugriffszahlen und das positive Feedback zeigen uns, dass wir dabei sehr viel richtig machen.

Wenn diese Extrem-Lage vorbei ist, werde ich wieder ein paar Schritte zurück machen, mir unsere Aufgaben, Abläufe und Ziele ansehen, um herauszufinden, an welchen Schrauben wir drehen müssen, um dahin zu kommen, wo wir hin wollen. Das bedeutet vor allem: ständiger Austausch. Mit meinem Team, mit anderen Ressorts, mit verschiedenen Unternehmensbereichen, mit anderen Medienhäusern.

Welche redaktionellen Strukturen wollen wir noch weiter verändern? Wie berichten wir über Olympia? Was wollen wir zur Bundestagswahl bieten und wen und was brauchen wir alles dafür? Wie müssen wir die Homepage verändern, damit Leserinnen und Leser schneller die Inhalte finden, die sie interessieren? Welche Formate müssen wir abschaffen, welche Themen haben wir noch nicht abgedeckt, welche Tools benötigen wir? Welche Aspekte sind aus redaktioneller Sicht für die geplante News-App wichtig? Woran können wir spontan drehen, um mehr Abonnentinnen und Abonnenten zu gewinnen? All das sind Fragen, die mich täglich beschäftigen. Aber auch: Was hat mein Team aus den vergangenen 1 ½ Jahren mitgenommen? Wie hat sich unser Job verändert? Wie wollen wir künftig arbeiten und von wo?

Redaktionen sind zum Glück keine Inseln, und Wissenssilos sind immer mehr Geschichte. Das heißt, dass mir bei der Beantwortung all dieser Fragen vor allem das Wissen und die Erfahrung meiner Kolleginnen und Kollegen hilft. Es gibt kaum eine Baustelle, die ich im Alleingang bearbeiten muss.

Nehmen wir das Beispiel Bundestagswahl: Natürlich haben die Ressorts gemeinsam gebrainstormt, wie berichtet werden soll, welche „Texte“ geplant sind und was wir darüber hinaus anbieten können. Doch das ist nur der erste Schritt. Diskussionsrunden, Podcasts, Streams, Umfragen, Newsletter, Datenvisualisierung, Social-Kampagnen: All das muss geplant und umgesetzt werden. Bietet sich für Debatten eher Audio oder Video an? Diese Frage kann das Video-Team am besten beantworten. Beim Erstellen der Umfrage und der besten Zeit für ihre Ausspielung hilft die Audience Development Managerin. Wie sie am besten ausgespielt und beworben wird, wissen die Kolleginnen und Kollegen im Marketing. Um den Sondernewsletter zur Wahl kümmert sich der Leiter Redaktionelle Entwicklung. Wie wir Social-Media-Daten sourcen und grafisch auf unseren Seiten abbilden können, weiß der Digital Solutions Manager. Redaktion, Vertrieb, Business Development, Produktmanagement: Zahlreiche Abteilungen arbeiten gemeinsam an zahlreichen Aufgaben.

Dafür, dass ich mich auf all diesen Baustellen herumtreiben kann, sorgt mein Team, das derweil das redaktionelle Tagesgeschäft im Griff hat, die Digitalauftritte steuert, Themen plant, Absprachen trifft.

Einen einheitlichen Tagesablauf habe ich nicht mehr. Manche Tage bestehen nahezu nur aus Calls, Workshops oder Organisation. An anderen übernehme ich normale Schichten, steuere die digitalen Kanäle oder manage die Themen für den Tag. An manchen Tagen baue ich um Mitternacht noch irgendetwas auf der Homepage um, an anderen schaufle ich mir Zeit frei,  um selbst zu schreiben. Und an Tagen wie in der vergangenen Woche muss alles andere hinter dem Nachrichtengeschehen anstehen.

Als ich mit dem Journalismus angefangen habe, war ich noch nicht mal mit dem Abitur durch. Damals konnte mir nicht vorstellen, irgendwann etwas anderes zu machen als zu recherchieren und zu schreiben. Und ich hatte das Glück jahrelang genau das bei verschiedenen Medien tun zu können. But here is the thing: Wenn man Spaß daran hat, Dinge infrage zu stellen und zu verändern, kommt man verdammt schwer drum herum, irgendwann auch am eigenen System schrauben zu wollen. Was für ein Luxus, dass ich heute einfach alles auf einmal machen kann.