DuMont Journalistenpreis 2017

Ein Interview, das Marietta Slomka am 4. Januar 2018 für das heute-journal mit Alexander Dobrindt von der CSU führte, wurde als beeindruckendes Beispiel für hartnäckigen Journalismus durch die sozialen Kanäle gejagt. Es wurde tausendfach geliked und geteilt. Im Netz ist sogar der Begriff „geslomkat“ geschaffen worden – als Synonym für „Politiker in die Mangel nehmen“. Ein Ritterschlag für eine kritische Journalistin von ihrer Fangemeinde.

Nicht nur der Schadenfreude wegen, die bei vielen sicherlich im Vordergrund stand - warum wurde dieses Gespräch mit Dobrindt dermaßen gehypt? Marietta Slomka selbst war baff darüber, dass ihre präzise und dadurch scharfe Interviewführung so viel Aufmerksamkeit erhalten hat.  Politische Interviews seien eben kein Smalltalk, bei dem man harmlose Nettigkeiten austauscht, erklärte sie. Recht hat sie damit. Aber wir haben uns – zumindest im Fernsehen – inzwischen vielleicht schon zu sehr ans Weichspülen gewöhnt. An Politiker-Phrasen, die völlig anders gestellte Fragen überbügeln, ohne dass irgendjemand nachhakt. Und wie oft stehen Reporter vor den Toren von Verhandlungstreffen, Anschlagsorten oder großen Veranstaltungen und melden uns im Minutentakt, dass es nichts zu melden gibt?

Dieses zunehmende Aktualitäts-Gescharre nützt dem seriösen Journalismus nicht unbedingt, um es mal vorsichtig zu sagen. Genauso wenig wie Journalisten, die banale Fragen stellen, wenig kompetent sind und lediglich ihre vorgefertigte Meinung bestätigt haben möchten. Denn unsere Gesellschaft benötigt eine unabhängige, kritische Presse mehr denn je – mit unbequemen Themen und Fragen. Wer für Demokratie eintritt, weiß, dass eine freie Presse elementar für dieses höchste Gut ist. Diese verantwortliche Rolle wollen wir ausfüllen. Das bedeutet für den publizistischen Alltag: Wer sich präzise vorbereitet, mit den Hintergründen vertraut ist, hat auch das notwendige Wissen und Selbstbewusstsein, um alternative Fakten (um das Unwort des Jahres zu gebrauchen) aufzudecken.

In Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung sind viele Abläufe in Politik oder Wirtschaft aber auch im Alltag so komplex geworden, dass Menschen eine Navigation benötigen, der sie vertrauen können. Wer diese Navigation nicht hat, kann leicht zum Opfer für alle Feinde der Demokratie werden.

Wir setzen mit Qualitätsjournalismus dagegen, vor allem auf lokaler Ebene. Unsere Stärke ist das Regionale.  Dort sind wir das Medium, dem die Menschen am meisten vertrauen. Zu dieser Qualität gehört es weiterhin, aktuell zu sein und die Menschen dort zu erreichen, wo sie sich gerade befinden. Zur Qualität gehört es aber nach wie vor auch, intensiv zu recherchieren, analysieren, informieren und kompetent zu kommentieren.

Öffentlichen Beifall erhält eher der, der herausgehobene Persönlichkeiten vor einem Millionenpublikum befragt. So wie eben Marietta Slomka. Aber vor Ort in den Kommunen, Vereinen und Verbänden ist es nicht weniger schwierig und oft mit kleinteiliger Recherche verbunden, relevante Inhalte zu produzieren. Auch diese wichtige Arbeit, die die Journalisten unserer Lokalmedien Tag für Tag leisten, verdient Beifall. Und wenn sie besonders gelungen ist, auch einen Preis. Wir freuen uns, Ihnen in dieser Dokumentation die Preisträger des DuMont Journalistenpreises 2017 vorzustellen.

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